Vorträge

Bundeswehr Auslandseinsatz Afghanistan 2011

Kompaniechef und Spieß der Bad Salzufler Patenkompanie aus Augustdorf berichten

Die Vortragsveranstaltung unserer Patenkompanie, der dritten Kompanie des Panzergrenadierbataillon 212 der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ bei der SPD Arbeitsgemeinschaft 60plus, initiiert durch den Patenschaftsaus- schuss Bad Salzuflen, war ein voller Erfolg. 

Der Dank für die Vorbereitung gebührt Manfred Hiltergerke, Oberstleutnant der Reserve, ganz besonders aber den Vortragenden dem Kompaniechef der 3. Kompanie des PzGrenBtl 212 mit seinem Spieß.

Beide Soldaten haben es in absolut vorzüglicher Weise verstanden, uns einen Einblick in die Umgestaltung und neuen Aufgabenstellung der Bundeswehr, als Parlamentsarmee im Auslandseinsatz, sowie der Struktur des Panzergrenadierbataillons 212 und ihrer Kompanie zu geben.

Der Bericht aus dem 6-monatigen Einsatz der Augustdorfer Soldaten in Afghanistan 2011 hat uns anschaulich dargestellt, was es heißt in einem fernen Land mit Extremen wie: Schnee, Kälte, Regen, Schlamm, Sandsturm, Hitze, puderzuckerfeinem Staub, sowie schlechten Wegen, im Charakter ausgefahrener hiesiger Feldwege, seinen äußerst schweren Dienst zu leisten.

Eingekesselt in eine Talstruktur von 70km Länge, in der Provinz Baghlan, lag das Einsatzgebiet für Teile der dritten Kompanie. Eindrucksvoll und begreifbar wurden uns die vorherrschenden Einsatzbedingungen erklärt. 

In Zusammenarbeit mit Soldaten anderer Bundeswehr-Einheiten und anderer Nationen sowie den Afghanen, wird hier in dem Gebiet, auf eine langfristig vorbereitete Übergabe und Verantwortung an die örtlichen Streitkräfte, zur Stabilisierung der Provinz, hin gearbeitet.

Heiße Enge in den Unterkunfts-Zelten, EPA-Verpflegung in Tüten oder Alu-Gefäßen, Marschausrüstung von 30-40kg einschließlich Helm, Schutzweste, Handschuhe, Funkgerät, Kurz- und Lang-Waffe, Verbandmittel und Verpflegung, bei bis zu 45 Grad Hitze, führten zum notwendige Trinken von 5 bis 10 ltr. pro Tag. 

Im Außeneinsatz so erzählte uns der Spieß habe er täglich bis zu 16 ltr. getrunken. Das meiste davon allerdings ausgeschwitzt.

Der Einfallreichtum der Soldaten im Lager führte zu erstaunlichen Dingen: Kartons als Schrankersatz und für ge- ordneten Stauraum unterm Feldbett, Abhängen mit Planen um das Feldbett, für eine kleine individuelle Privatzone. 

Notduschen mit Waschplatz vorm Zelt im Freien, um lange Wege zum Wasch- und Toiletten-Container zu vermeiden. Bodybuilding Gerät aus Holzbohlen, Hanteln aus Zeltstangen und daran befestigte mit Wasser gefüllte Trinkflaschen.

Über dem selbstgebauten Grill wurden die Steaks gegrillt, die man durch den Tausch der bei den US-Amerikanern geliebten EPA Verpflegung erhielt. 

Ein ausnehmend gutes Verhältnis bestand auch zu den Feldjägern. Auch wurden hier, anders als im Heimatland, die Feldgottesdienste ausgenommen stark besucht.

Verbindung zur Heimat bestand, neben dem dienstlich bereitgestellten Kommunikationsanbieter, auch über ein gut funktionierendes afghanisches Mobilfunknetz. Der Laptop war zudem ebenfalls ein sehr wichtiges Kommuni- kationsmittel mit der Heimat.

Post und Pakete aus der Heimat waren die Highlights für die Soldaten. Sie heitern das entbehrungsreiche Leben auf, obwohl der Erhalt immer nur mit großen zeitlichen Abständen erfolgte. Es gab im Lager aber auch einen Markt mit Produkten des Landes. Dort konnten sich die Soldaten auch mit Geschenken für ihre Lieben zu Hause eindecken.

Der militärische Auftrag war geprägt durch Patrouillen in die Umgebung und auf den Hauptversorgungsstrassen, an denen zwischenzeitlich mehrere afghanische Polizeiposten eingerichtet wurden, sowie Kontakten mit der Bevölkerung. Immer unter dem äußerst vorsichtigem Gesichtspunkt, aufmerksam auf versteckte Sprengfallen zu achten, und sich nicht leichtfertig und unüberlegt zu bewegen.

Sind bei Patrouillen Übernachtungen notwendig, so bilden die Fahrzeugen Wagenburgen, Wachen mit Nachtsichtgeräten sind einzuteilen, Zeltbahnen bilden Witterungsschutz, Insektenschutznetze über die Feldbetten gestülpt, schützen u.a. vor Spinnen, Skorpionen und Schlangen. Diese Schutznetze sind übrigens auch in den Zelten im Lager notwendig, denn auch hier tauchen immer wieder diese unliebsamen Krabbeltiere auf.

Zum Ende der Einsatzzeit, die von Februar bis August währte, war bei vielen Soldaten deutlich eine erhöhte Reizbarkeit zu spüren. Jetzt waren neben den Militärpfarrern und den Truppenpsychologen, auch die zwei Sanitätsoldatinnen und die Oberfeldärztin, gefragt.

Zum Abschluss der Vortragsveranstaltung standen der Kompaniechef und der Oberstabsfeldwebel für zahlreiche Fragen Rede und Antwort.

Die ehemals hier unter dem Text eingepflegten Bilder wurden auf Wunsch eines Soldaten herausgenommen.


Bundeswehr Heer Wappen Panzerbrigade 21 Panzergrenadierbataillon 212

Wir gratulieren den Panzergrenadieren zur NRW Fahnenbandverleihung

Hannelore Kraft stärkt Band zur Bundeswehr

Ministerpräsidentin vergibt höchste Auszeichnung des Landes an das Panzergrenadierbataillon 212

Ministerpräsidentin heftet Fahnenband an die Fahne des Grenadierbataillon 212

Auszeichnung für das Panzergrenadierbataillon 212: Ministerpräsidenten Hannelore Kraft heftet das Fahnenband an die Truppenfahne. Batallionskommandeur Oberstleutnant Matthias Ehbrecht sieht zu.
LZ-Foto: Gerstendorf-Welle

Die „212er": Seit 1958 in Augustdorf stationiert

Im Oktober 1958 wurde das Panzergrenadierbatallion 212 in Augustdorf aufgestellt. Seitdem ist es dort stationiert. Das Bataillon ist einer der ältesten Verbände der Bundeswehr und das letzte Pan- zergrenadierbataillon in Nordrhein-Westfalen. Die lippische Rose im Wappen steht für die Verbun- denheit des Verbandes mit Lippe. 

Laut Kommandeur Oberstleutnant Matthias Ehbrecht führt das Batallion sich geschichtlich bis auf das Füsilierbatallion Lippe zurück. 2008 stellten die Panzergrenadiere die schnelle Eingreiftruppe in Nordafghanistan. 2011 bemannten sie dort den Außenposten „OPNorth. Ab Spätherbst 2013 steht erneut ein Einsatz in Afghanistan an. (LZ te)

Stand: 16.02.15