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AG 60plus zu Besuch im Stadt- und Bädermuseum Bad Salzuflen       9.11.1938       Reichspogromnacht in OWL
Der Besuch der Ausstellung ließ uns eintauchen in eine dunkle deutsche Vergangenheit und ermöglichte uns streckenweise ein Nachempfinden dieser schrecklichen Zeit durch die Ausstellungs-Bilder,  Bericht des Zeitzeugen H. Fricke und dem Vortrag des Museums Mitarbeiter A. Beuke.

Ein kleiner Auszug mit Bilder der Ausstellung und von einigen betroffenen Salzufler Bürgern.

Ein Zeitsprung von über 70 Jahren - aus der Schande der Diktatur zur friedvollen Demokratie

In Bad Salzuflen wurden die Büroräume des Haushaltswarengeschäfts von Siegfried Obermeyer (Lange Straße 41, heute Museum) verwüstet. Durch „Zerschlagen von Stühlen, Türen sowie einiger Inneneinrichtungen" und Zertrümmerung von Fensterscheiben entstand ein Schaden von 250 RM.

In der Augustastraße 4, dem Wohn- und Geschäftshaus der Familie Richard Hamlet, verwüstete der „Nazi-Mob" das in der ersten Etage untergebrachte Tuchlager des „Salzufler Stoff- und Restehauses". 

Darüber hinaus wurden, wie einem am 12. November 1938 von der Kreisleitung der NSDAP Detmold an die Gauleitung in Münster gesandten Bericht zu entnehmen ist, „die Privatwohnungen der Juden Obermeyer (Friedenstraße 1), Hamlet  (Augustastraße 4) und Berghausen (Obere Mühlenstraße 8) erheblich zerstört." 

Der in Bad Salzuflen erscheinende „Lippische Allgemeine Anzeiger" kommentierte das Zerstörungswerk in seiner Ausgabe vom 11. November 1938 mit der zynischen Bemerkung: „Hier in Bad Salzuflen wurde den noch immer hier ansässigen Juden durch Zertrümmerung der Fensterscheiben und der Einrichtung ihrer Hauser ein scharfer Denkzettel verpasst."

Im benachbarten Schötmar richteten sich die Aktionen gegen die 

Wohnungen des Bürstenfabrikanten Hermann Katz (Schülerstraße 17), der beiden Viehhändler Salomon Silberbach (Begastraße 22) und Julius Silberbach (Schülerstraße 29) sowie gegen das Manufakturwarengeschäft von Hermann Rosenwald (Hindenburg-, heute Schloßstraße 16) und die Metzgereien von Moritz Wallhausen (Schülerstraße 20) und Alma Silberbach (Schülerstraße 18). Die Täter „begnügten" sich hier jeweils damit, in den Wohn- und Geschäftsräumen die Fensterscheiben zu zertrümmern.

Siegfried und Amalia Obermeyer aus Bad Salzuflen ermöglichten ihrem Sohn Hans im Juli 1939 die Emigration nach Großbritannien. Ihren Sohn sahen sie nie wieder.
 Das Ehepaar wurde im
Oktober 1941 ins Ghetto „Litzmannstadt" (Lodz) deportiert. Siegfried Obermeyer starb dort am 16. September 1942, seine Frau am 29. April 1944.
Hans Obermeyer aus Bad Salzuflen fand nach dem 9. November 1938 in Großbritannien Asyl. Am 4. Juli 1939 bestieg er einen „Kindertransport". Er besuchte bis April 1945 ein privates Internat südlich von London, das speziell für Verfolgte des NS-Regimes eingerichtet worden war. Im Januar 1947 siedelte er in die USA über.

SW-Bilder Fam. Obermeyer Stadtarchiv Bad Salzuflen - Bild 9.11.1938 und Texte aus der Broschüre Landesarchiv NRW
Das Stadt- & Bädermuseum in Bad Salzuflen wurde aufgrund der Haushaltsicherung in 2010 geschlossen und das Gebäude verkauft.
Heute befindet sich ein im Jahr 2011 neu errichtetes italienisches Restaurant, das Il Gabbian-Da Vito, darin.
Bericht über die Progromnacht der Lippischen Landes-Zeitung vom 09.11.2017

Stand: 09.11.17